Beazley vs. Allianz: Zwei Ansätze für KI-Risiken in der Cyber-Versicherung — Was Makler 2026 wissen müssen

Beazley setzt auf pauschale 10%-KI-Sublimits, Allianz auf individuelle Risikoprüfung mit bis zu 30%-Aufschlag. Ein detaillierter Vergleich der Ansätze und was DACH-Makler bei der nächsten Verlängerung beachten müssen.

Beazley setzt auf pauschale 10%-KI-Sublimits, Allianz auf individuelle Risikoprüfung mit bis zu 30%-Aufschlag. Ein detaillierter Vergleich der Ansätze und was DACH-Makler bei der nächsten Verlängerung beachten müssen.

Der Markt für KI-Risikodeckung in der Cyber-Versicherung befindet sich 2026 in einer entscheidenden Phase. Während alle großen Versicherer die Notwendigkeit von KI-spezifischen Klauseln anerkennen, gehen die Ansätze erheblich auseinander. Zwei Modelle dominieren derzeit den DACH-Raum: Beazleys pauschaler Sublimit-Ansatz und Allianz’ individuelle Risikoprüfung.

Für Makler, die ihre Kunden durch diese Verlängerungen navigieren, ist das Verständnis dieser Unterschiede nicht akademisch — es ist die Grundlage für die richtige Deckungsempfehlung.

Beazley: Der pauschale Sublimit-Ansatz (10%-Regel)

Beazley war einer der ersten großen Cyber-Versicherer, der KI-spezifische Sublimits einführte. Der Ansatz ist denkbar einfach: 10 % der Policenlimite als Obergrenze für KI-bezogene Schäden.

MerkmalBeazley
StrukturPauschales Sublimit von 10 % der Gesamtpolice
Beispiel5 Mio. € Police → max. 500.000 € für KI-Vorfälle
RisikoprüfungKeine individuelle KI-Expositionsanalyse erforderlich
ProduktkomplexitätGering — einfach zu kommunizieren
Vorteil für MaklerSchnelle Angebotserstellung, klare Grenzen

Argument für den Kunden: “Sie wissen genau, wo Sie stehen. Einfach, transparent und schnell umsetzbar.”

Nachteil: Die Pauschalregel berücksichtigt nicht das tatsächliche KI-Exposure des versicherten Unternehmens. Ein Unternehmen mit einem einzigen Chatbot-Assistenten erhält dasselbe Sublimit wie eines mit 200 produktiven KI-Modellen.

Allianz: Individuelle Risikoprüfung (Bis zu 30%-Aufschlag)

Allianz hat einen differenzierteren Ansatz gewählt. Statt eines pauschalen Sublimits verlangt Allianz eine individuelle KI-Risikobewertung und bietet je nach Reifegrad des Unternehmens angepasste Konditionen.

MerkmalAllianz
StrukturIndividueller Risikozuschlag basierend auf KI-Reifegrad
Sublimit-Bandbreite10 % (Basis) bis 30 % (mit Nachweis der KI-Governance)
RisikoprüfungUmfassende KI-Expositionsanalyse erforderlich
ProduktkomplexitätMittel — erfordert Vorbereitung durch Makler
Vorteil für MaklerDifferenzierungsmöglichkeit, bessere Deckung für reife Kunden

Argument für den Kunden: “Wenn Sie Ihre KI-Sicherheit nachweisen können, zahlen Sie nicht für die Risiken anderer.”

Nachteil: Der Aufwand für die Dokumentation ist erheblich. Unternehmen ohne strukturierte KI-Governance erhalten oft nur die Basisbedingungen.

Drei Szenarien: Welcher Ansatz passt zu welchem Kunden?

Szenario 1: Der KMU-Kunde mit einfacher KI-Nutzung

  • Profil: 50–200 Mitarbeiter, nutzt ChatGPT Business und ein internes KI-Tool
  • Empfehlung: Beazley-Ansatz
  • Begründung: Der Dokumentationsaufwand für Allianz’ individuelle Prüfung übersteigt den Nutzen. Das pauschale Sublimit bietet ausreichenden Schutz bei minimalem Aufwand.

Szenario 2: Der regulierte Mittelständler mit mehreren KI-Modellen

  • Profil: 500–2.000 Mitarbeiter, unter NIS2, betreibt 5+ KI-Modelle
  • Empfehlung: Allianz-Ansatz
  • Begründung: Die Investition in die KI-Expositionsanalyse lohnt sich. Bei guter Dokumentation sind 20–30 % Sublimit erreichbar — doppelt oder dreifach so viel wie bei Beazley.

Szenario 3: Der KI-Entwickler mit hohem Exposure

  • Profil: 200+ Mitarbeiter, entwickelt eigene KI-Modelle, verarbeitet sensible Daten
  • Empfehlung: Allianz-Ansatz, ergänzt durch Zweitversicherer
  • Begründung: Hier reichen selbst 30 % nicht aus. Benötigt wird eine strukturierte Risikotragfähigkeitsanalyse und ggf. eine Zweitplatzierung.

Was Makler jetzt tun sollten

1. KI-Expositionsanalyse als Service anbieten

Makler, die ihren Kunden vor der Verlängerung eine strukturierte KI-Expositionsanalyse anbieten, schaffen einen echten Mehrwert. Die Analyse umfasst:

  • Inventarisierung aller KI-Modelle und -Tools
  • Bewertung der Datenverarbeitung (welche Daten fließen in Modelle?)
  • Prüfung vorhandener Sicherheitskontrollen
  • Bewertung des KI-Governance-Reifegrads

Resiliently.ai bietet genau diese Analyse als Teil unserer Risk Assessment Suite. Kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Erstberatung.

2. Verhandlungsstrategie entwickeln

  • Für Beazley-Kunden: Dokumentieren Sie, warum das 10%-Sublimit für Ihr spezifisches Kundenprofil unzureichend ist. Fragen Sie explizit nach Sublimit-Anpassungen.
  • Für Allianz-Kunden: Investieren Sie in die Dokumentation. Jeder nachgewiesene Sicherheitskontrolle erhöht das Sublimit-Potenzial.

3. Deckungslücken dokumentieren

Unabhängig vom gewählten Ansatz: Dokumentieren Sie schriftlich, was nicht gedeckt ist. Die häufigsten Lücken:

  • Geschäftsunterbrechung durch KI-Ausfall (nicht immer im Sublimit enthalten)
  • Reputationsschäden durch KI-Fehler
  • Kosten für Wiederaufbau von Modellen
  • Drittanbieter-Haftung bei Einsatz von API-basierten KI-Diensten

Fazit

Beazley und Allianz repräsentieren zwei Philosophien – nicht nur zwei Produkte. Beazley setzt auf Einfachheit und schnelle Marktdurchdringung. Allianz setzt auf Differenzierung und belohnt gute Governance.

Für Makler bedeutet das: Es gibt nicht den einen richtigen Ansatz. Die richtige Empfehlung hängt vom Risikoprofil, der KI-Reife und der Verhandlungsbereitschaft des Kunden ab.

Der Markt bewegt sich in eine Richtung: Individuelle Risikobewertung wird zum Standard. Makler, die jetzt KI-Governance-Dokumentation als Service aufbauen, haben in 12–18 Monaten einen klaren Wettbewerbsvorteil, wenn die meisten Versicherer auf individuelle Prüfungen umstellen.


Dieser Vergleich basiert auf öffentlich verfügbaren Produktinformationen und Marktbeobachtungen von Resiliently.ai (Stand: Mai 2026). Konditionen können je nach Einzelfall abweichen. Vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch für eine individuelle Analyse.

Michael Guiao Michael Guiao gründete Resiliently AI und schreibt Resiliently. Er hat CISM, CCSP, CISA und DPO-Zertifizierungen — aber sie verfallen lassen, denn im Zeitalter von KI ist Wissen billig. Worauf es ankommt, ist Urteilskraft — und die kommt aus acht Jahren Praxis bei Zurich, Sompo, AXA und PwC.

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